
Axamer Wampelerreiten Tirol
In Tirol ist die Fasnacht ein nach wie vor sehr lebendiges Ereignis, speziell im Inntal zwischen Innsbruck und Hall finden wir eine Vielzahl origineller und originaler Bräuche. Eine der ältesten und interessantesten davon ist das Wampelerreiten in Axams. Da die Fasnacht in Axams erst seit 1972 in einem Verein organisiert ist, gibt es aus früherer Zeit kaum schriftliche Überlieferung und man ist ganz auf die mündlichen Auskünfte der älteren Dorfbewohner angewiesen. Zentrales Element ist der Kampf der Wampeler gegen die Reiter, wobei letztere versuchen, die Wampeler zu Boden zu reißen. Die Wampeler stopfen sich unter ihren weißen Leinenhemden, der „Pfoad“, dick mit Heu aus, so dass sie aufgebläht wirken und in ihren Bewegungen stark eingeschränkt sind. Andererseits schützt das Heu die Wampeler, wenn sie zu Sturz kommen. Möglicherweise rührt dieses Ausstopfen von den urzeitlichen Bärenjagden her, als die Jäger dies angeblich taten, um sich vor Verletzungen zu schützen. Jedenfalls wird heute beim Wampelerreiten ebenfalls ein „Bär“ mitgeführt, der wiederum die ungezähmte Natur symbolisiert. Traditionellerweise findet der Umzug in Axams am „Unsinnigen Donnerstag“ statt, das ist heuer der 11. Februar. Nachdem die Musikkapelle den Zug eröffnet hat, erscheinen die Tuxer, jugendlich aussehende Masken mit großen Hüten, die den Frühling darstellen. Mit ihrer kostbaren Ausstattung können sie sich nur langsam und würdevoll bewegen, mit der „Goaßl“ fangen sie sich hübsche Mädchen ein und „entführen“ sie zum Tanz ins Wirtshaus. Die Mädchen sind erst wieder frei, wenn sie ihrem Tuxer ein Schnapsl spendiert haben.
Den Hauptteil des Zuges bilden die Wampeler. In zwei Runden ziehen sie ums Dorf, wobei sie sich mit einem Stock gegen Angriffe wehren können. Die unmaskierten Reiter lauern unter den Zuschauern auf eine Gelegenheit, einen Wampeler anzuspringen und zu Boden zu reißen. Dieser Angriff darf nur von hinten erfolgen und muss auch aufs erste Mal gelingen. Zur Überwachung der Spielregeln gehen Schiedsrichter im Zug mit. Nach zwei Runden, aber jedenfalls noch vor dem Betläuten, ist der Umzug beendet. Man trifft sich wieder im Gasthaus, eventuelle Unklarheiten werden noch „ausgerauft“. Die Wampeler, die noch einen sauberen, weißen Rücken haben, sind die Sieger, die von den unterlegenen Reitern freigehalten werden.
Natürlich gibt es bei dem Umzug noch etliche andere Masken und Figuren, wie die Flitscher, Vogelfänger, Hexen und den Axamer Bock. Sie alle tragen dazu bei, dass dem Publikum einer der urtümlichsten und rauesten Fasnachtsbräuche unvergesslich in Erinnerung bleibt.
Axamer Wampelerreiten
11.2.2010