8. Mai 2011 Man schrieb das Jahr 1704, als der damalige Fürstbischof Kaspar Ignaz von Künigl eine bedeutende Reliquie des Heiligen Kassian aus dem Bistum Imola übertragen erhielt. Der Heilige Kassian lebte im 3. Jahrhundert und war Schulmeister in Imola. Weil er sich weigerte, die römischen Götter zu verehren und stattdessen das Christentum lehrte, wurde er zum Tode verurteilt. Der Legende nach wurde die Todesstrafe von seinen Schülern vollzogen, bei denen er nicht gerade beliebt war, weil er sie häufig gezüchtigt hatte. Nun erstachen sie ihn mit eisernen Griffeln. In Tirol erfuhr der Heilige Kassian traditionell besondere Verehrung, er ist einer der Patrone der Diözese Brixen, auch der Brixner Dom ist ihm und der Himmelfahrt Mariens geweiht. Die Reliquie war somit von großer Bedeutung für Brixen und die Übertragung erfolgte in einer äußerst feierlichen Zeremonie. Zur Erinnerung an dieses Ereignis, aber auch als Dank dafür, dass Brixen von Krieg und Plünderung verschont blieb, gelobte man, alljährlich eine Prozession zu Ehren des Heiligen Kassian abzuhalten. Seit über 300 Jahren kommt man diesem Gelöbnis nun schon nach, und längst ist die Kassiansprozession zum Ausdruck der tiefen Frömmigkeit des Volkes und der besonderen Verehrung für diesen Heiligen geworden. Die Prozession ist heute auch weit über die Stadtgrenzen Brixens hinaus bekannt, und aus allen Landesteilen Südtirols und Tirols strömen die Gläubigen zu diesem feierlichen Ereignis und begleiten den Umzug. Doch auch viele Gäste, interessiertes Publikum und Schaulustige säumen den Weg der Prozession. Am Beginn steht ein feierliches Hochamt mit dem Diözesanbischof im Brixner Dom, der größten Kirche Südtirols. Der Gottesdienst wird u.a. von mehreren Chören aus der Diözese und vom Brixner Domchor gestaltet. Anschließend wird in der eigentlichen Prozession die Reliquie des Heiligen Kassian durch die Straßen der Stadt getragen. Der Prozessionszug wird von Musikkapellen aus dem Eisacktal sowie von der Bürgerkapelle Brixen begleitet, die für die feierlich-musikalische Umrahmung sorgen. Zuletzt kehrt die Prozession wieder auf den Domplatz zurück, wo sie mit dem gemeinsamen Lied an die Diözesanpatrone und mit dem feierlichen Segen des Diözesanbischofs beendet wird.