
Zusslrennen in Prad
3.3.2011, Prad am Stilfserjoch In Südtirol wird das traditionelle Brauchtum noch hochgehalten und gepflegt. So mancher alte Brauch, der anderswo schon fast vergessen ist, lebt hier noch fröhlich und vital. Der Fasching in Südtirol ist eine wunderbare Gelegenheit, einige höchst interessante, eigenartige, aber auch unterhaltsame Bräuche kennen zu lernen.
In Prad am Stilfserjoch etwa pflegt man jedes Jahr am Unsinnigen Donnerstag einen ganz einzigartigen Brauch: das Zusslrennen.
Die Zussl und auch alle anderen Figuren und Masken des Umzuges werden – wie bei den meisten Fasnachtsbräuchen – ausschließlich von den Burschen und Männern des Dorfes dargestellt. Die Zussel selbst sind von Kopf bis Fuß ganz in Weiß gekleidet und mit bunten Bändern und Blumen aus Krepppapier geschmückt. Um den Bauch geschnallt tragen sie große Kuhschellen, die oft über 20 kg schwer sind. Mit diesen Schellen machen sie natürlich kräftig Lärm und Radau, was den Winter samt allen bösen Geistern vertreiben und die Natur „wecken“ soll.
In diesem Umzug finden wir aber auch Elemente eines alten Fruchtbarkeitskultes. So ziehen beispielsweise sechs „Schimmel“ – ebenfalls in Weiß ge- und als Pferde verkleidete Burschen – einen alten Pflug durch
Prad. Angetrieben werden sie dabei vom Fuhrmann mit seiner „Goaßl“, die er oft kräftig schnalzen lässt. Dem Fuhrmann folgt der Sämann, der aus seinem Korb Sägespäne auf die Zuschauer streut. Danach kommen der Bauer und die Bäuerin, Knecht und Dirn und schließlich das in Lumpen gekleidete und sich ausgelassen gebärdende Paar „Zoch und Pfott“. All diese Figuren tragen alte landwirtschaftliche Geräte mit sich und symbolisieren so den gemeinsamen Gang zur Arbeit aufs Feld.
Wenn der Umzug zum zweiten Mal durchs Dorf zieht, wird er vom „Triebschellenträger“ im weißen, blumenbestickten Kittel angeführt. Die Triebschelle ist die größte und schwerste aller Schellen und Glocken und hinter ihr kommen die Zussel, nach denen der Brauch benannt ist. Nach all dem Getöse und Gelärme kommen nochmals sämtliche Paare und auch der Fuhrmann, der mit seiner Goaßl den ganzen Zug zusammenhält.
Mehrere Stunden dauert so der Umzug, ehe nach dem Radau wieder Ruhe einkehrt.