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Tiroler Ostergräber

  • Tiroler Ostergrab
  • Ostergrab auf dem Hochaltar

Eine kulturhistorische Besonderheit in zahlreichen Tiroler und Südtiroler Kirchen sind die so genannten Ostergräber in Form eines barocken Kulissenaltars, wie man sie hier auch heute noch findet.

In der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts, speziell in den 1970er-Jahren, waren viele dieser Ostergräber als „unzeitgemäß“ abgebaut und auf den Dachböden der Pfarrhöfe verstaut worden. In den letzten Jahren hat wieder ein Umdenken eingesetzt, man hat diese Kostbarkeiten wieder hervor geholt und meist mustergültig restauriert.

Die „Heiligen Gräber“ sind in manchen Kirchen das ganze Jahr zu sehen, meist werden sie aber nur während der Karwoche und der Ostertage aufgestellt. Den typischen Schmuck mit bunten Glaskugeln, die von Kerzen oder Öllichtern beleuchtet ein ganz besonderes, sehr stimmungsvolles Farbenspiel erzeugen, erhalten sie nur in der Karwoche.

Der Brauch der Ostergräber stammt schon aus dem 17. Jahrhundert und sollte dem Kirchenvolk das zentrale Ereignis christlichen Glaubens veranschaulichen. Um das Grab mit dem Leichnam Christi ist zumeist eine zweidimensionale, phantasievolle Kulissenlandschaft aufgebaut. Außerdem sind viele dieser Kulissenaltäre mit mechanischen Vorrichtungen ausgestattet, um spezielle „Bühneneffekte“ zu erzielen, die durchaus auf die Schaulust des frommen Publikums abzielen.

Eines der schönsten beispiele für solch ein Ostergrab finden wir etwa in der Pfarrkirche von Patsch bei Innsbruck. Unter einer Darstellung des Sündenfalls befindet sich das Grab, in dem ab Karfreitag der Leichnam Christi für alle sichtbar ausgestellt ist. In der Osternacht aber senkt sich die prächtige Gloriole vom Altar herab und verdeckt das Grab. Während dieser Zeit wird der „Leichnam“ aus dem Grab gezogen, so dass dieses, wenn sich die Gloriole wieder hebt, leer ist: die „Auferstehung“ ist vollzogen!

Auch die Pestkapelle in Imst kann mit „Special Effects“ auftrumpfen: Hier zaubert eine Maschinerie Schweißtropfen auf das Antlitz des Heilands. Das Ostergrab in der Pfarrkirche von Telfes im Stubaital wiederum ist im Aufbau so aufwändig, dass es nur alle vier Jahre in seiner Vollform zu bewundern ist. Ungemein beeindruckend sind dir drei hintereinander angeordneten Kulissenbögen, für die Darstellung Jesu am Ölberg wird sogar ein eigenes Hintergrundbild eingefügt. Bei der Auferstehungsfeier wird auch hier der „Leichnam“ Christi aus dem Grab entfernt und taucht dann über dem Grab als der Auferstandene wieder auf.

Zwei weitere außergewöhnliche Ostergräber sind in den Pfarren Pettneu am Arlberg und Stanzach im Außerfern zu bewundern. Hier handelt es sich um Modelle, die im 19. Jahrhundert – im Gegensatz zu den Unikaten früherer Zeiten – quasi industriell in Serie erzeugt wurden. Führend in der Herstellung solcher Gräber waren zwei Firmen im böhmischen Olmütz und in Hall in Tirol.

Eines der schönsten Heiligen Gräber in Südtirol finden wir in Niederdorf im Pustertal. Am Karfreitag wird es in der Spitalkirche aufgestellt und in der typischen Weise mit bunten Glaskugeln geschmückt.

Noch viele weitere dieser Ostergräber – große und kleine und mit unterschiedlichsten Besonderheiten – wären zu erwähnen. Nutzen Sie die Osterzeit, um einige dieser kulturhistorischen Kostbarkeiten zu entdecken!

Autor: Gerhard Waiz

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