Das Schleicherlaufen ist einer der ältesten Fasnachtsbräuche Tirols. Wie weit in die Urzeit hinein seine Wurzeln tatsächlich reichen, lässt sich schwer sagen, da es dazu keine Quellen gibt. Dokumente zum Schleicherlauf finden wir erst in der frühen Neuzeit, der älteste Beleg stammt aus dem Jahr 1571. Aus dem Jahr 1830 stammt die erste ausführliche Beschreibung des Schleicherlaufens, das bis heute im Wesentlichen unverändert geblieben ist
Bis ins 19. Jahrhundert war das Fasnachtstreiben sowohl der Kirche als auch den weltlichen Machthabern zumeist ein Dorn im Auge, dem man mit allerlei Verboten und Einschränkungen beizukommen versuchte. Dennoch hielt sich dieser Brauch gegen alle Widerstände hartnäckig am Leben. Erst im Laufe des 19. Jahrhunderts änderte sich die Einschätzung dieser archaischen Traditionen, die nun zu einem allseits akzeptierten gesellschaftlichen Ereignis wurden. Seit 1890 findet das Telfser Schleicherlaufen nun alle fünf Jahre statt, und somit haben wir heuer wieder Gelegenheit, diesem bunten und spektakulären Umzug beizuwohnen. Die Vorbereitungen für das Schleicherlaufen sind schon seit letztem Jahr in Gange. Ein wichtiger Termin war das „Nazausgraben“ am Dreikönigstag. Der „Naz“ ist die Symbolfigur der Telfser Fasnacht, eine Puppe von der Größe eines Kleinkindes, die am 6. Januar unter großer Anteilnahme der Bevölkerung aus einem Kieshaufen freigeschaufelt wird. Das ist der offizielle Beginn der Fasnacht. Beim Fasnachtsumzug ist der „Naz“ selbstverständlich auch dabei, säuft und raucht und muss sich dann zum Gaudium der Menge übergeben. Am Faschingsdienstag wird der Naz dann wieder begraben, womit die Fastenzeit beginnen kann.
Der Tag des Schleicherlaufens beginnt damit, dass am Morgen die Sonne symbolisch durch den Ort getragen wird, damit der Umzug bei gutem Wetter stattfinden kann. Dann kommen nach und nach die verschiedenen Masken in den Ort, die Wilden, die Herolde, die Bären und Orientalen, die Vogler und die Laninger und viele andere, dazu spielt immer wieder lautstark die Fasnachtskapelle – die Musibanda – auf. Zentrale Figur der Telfser Fasnacht sind die Schleicher, prächtig gekleidete Gestalten mit Masken und großen, fantasievollen Hüten. Sie müssen schleichen, damit die Schellen, die sie tragen, nicht anschlagen. Nur beim Schleichertanz darf die „Schalla“ klingen, und die Kunst ist, dass dann alle gleichmäßig und gleichzeitig ertönen. Bis zu 20.000 Zuschauer aus der ganzen Welt kamen zu den letzten Schleicherläufen. Auch heuer wird der Umzug wieder ein großes, buntes, beeindruckendes Ereignis. Sie sollten es nicht versäumen, denn das nächste Schleicherlaufen findet erst wieder im Jahr 2015 statt!